Lebenslust & Lessinglieder

Lessing und Lebenslust? War er nicht eher der klare Denker, nüchterne Aufklärer, scharfsinnig und streitlustig, der gern provozierte und oft auch impulsiv auffiel? Jemand, der die meiste Zeit seines Lebens unruhig auf der Suche nach existenziellem Rückhalt war? Lessing und Lebenslust? Das scheint auch nicht zu seinen dramatischen Hauptwerken zu passen.
Schon in der Schulzeit hat Lessing lyrisch gedichtet, angeblich hat seine Schwester Dorothea die allzu „frivolen Verse“ des jungen Dichters ins Feuer geworfen. Die ersten gedruckten Gedichte des 18jährigen Lessing erschienen als „Ermunterungen zum Vergnügen des Gemüts“ im Jahre 1747. Lessing sammelte seine Verse und nannte sie zunächst auch „Lieder“. Später, als sie ihm eher peinlich waren, neigte er dazu, seine anakreontischen Trink- und Liebeslieder von Wein, Weib, Liebe, Scherz und Tändelei geringschätzig mit „Kleinigkeiten“ abzutun. Je mehr Lessing aufklärerisch schreibend um Wahrheit, Erkenntnis und Aufklärung bemüht war, um so mehr entfernte er sich innerlich von seinen frühen dichterischen Ergüssen.
Das Ausdrucksmittel Jazz hätte einem kämpferischen Aufklärer wie Lessing sicherlich gut gefallen. Auch der vitale junge Lessing war drängend, herausfordernd, aufmüpfig, und seine Lieder sind vorwiegend aus diesem Geist geschrieben. Er hat sie übermütig mit Satire, Spott und Lebensfreude gewürzt, er hätte sie sicherlich gern auch mit jazzigen Rhythmen anrichten lassen. Die gab es damals noch nicht. Der Komponist Thomas Bierling hat die Lessing-Lieder konzeptionell völlig neu aufgefasst, auf faszinierende Weise verjazzt oder als Chansons vertont.
Gabrielle Heidelberger singt sie in ihrer unnachahmlichen Art, von ihrer Band mit dem Komponisten am Klavier begleitet. „Jazz“, sagt Leonard Bernstein, „ist Freude am Spiel und deshalb Unterhaltung im besten Sinne.“ Genau das vermitteln Thomas Bierling, Gabrielle Heidelberger und ihre Band.

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